Mira Lobe

wurde 1913 in Görlitz in Schlesien geboren. Dass sie Talent zum Schreiben hatte, zeigte sich schon an ihren Schulaufsätzen. Sie wollte studieren und Journalistin werden, was ihr als Jüdin im nationalsozialistischen Deutschland verwehrt wurde. Daher lernte sie Maschinenstrickerin an der Berliner Modeschule. 1936 flüchtete sie nach Palästina. Dort heiratete sie den Schauspieler Friedrich Lobe, mit dem sie zwei Kinder hatte. Ab 1950 lebte sie in Wien, wo sie am 6.2.1995 starb. Mira Lobe hat fast 100 Kinder- und Jugendbücher geschrieben, für viele von ihnen hat sie Preise und Auszeichnungen erhalten.

"Der tiefere Sinn der Schreiberei für Kinder ist meiner Meinung nach der, dass sie zur Selbstbestimmung gebracht werden sollen. Produzieren ist schön, einfach schön, da fühlt man sich leben. Das ist nach der Liebe das zweitbeste Gefühl."

Mira Lobe über Bücher, über Sehnsucht, über Gerechtigkeit:

Bücher sind zu mancherlei da...

Damit man lacht, zum Beispiel. Lachen ist wichtig.
Damit man gescheiter wird. Gescheit sein ist wichtig.
Damit man Sehnsucht bekommt. Das ist vielleicht das Wichtigste.

Ich stelle mir ein Kind vor, das satt und zufrieden im Schaukelstuhl sitzt und eine Geschichte liest. Die Geschichte handelt von einem Kind, das Flechten von den Bäumen schabt, um seinen Hunger zu stillen.

"Gibt es das wirklich?" fragt das satte Kind. "Ja, das gibt es wirklich!" sagt die Geschichte. Da ist das Kind nicht mehr so zufrieden.

"Das dürfte es aber nicht geben", sagt es und bekommt große Sehnsucht nach einer Welt, in der es gerechter zugeht. Und es nimmt sich fest vor, für so eine Welt zu sorgen, wenn es erst groß ist...

Deshalb bin ich für Geschichten, die Sehnsucht machen.

(aus: Österreichischer Buchklub der Jugend, Jahrbuch 3, 1974/75)